Briefschreibabend

Die Jugendgruppe möchte die klassische Einzelfallarbeit von Amnesty International wieder stärker fokussieren. Daher laden wir am letzten Sonntag eines jeden Monats um 17:00 Uhr zum Briefeschreiben ins Bezirksbüro.

Wir werden diesmal für Tran Thị Nga aus Vietnam schreiben. Sie wurde 2017 zu neun Jahren Haft und fünfjährigem anschließenden Hausarrest verurteilt. Sie setzte sich für Arbeitsrechte und Umweltschutz ein und ihre Verhaftung lässt sich wahrscheinlich auf ihre Teilnahme an Protesten sowie ihre Mitarbeit in einer Menschenrechtsgruppe zurückführen. In der Zeit ihres Engagements wurde sie mehrfach misshandelt, wobei ihr im Jahr 2014 ein Bein von regierungsnahen Schlägern gebrochen wurde und im Jahr 2015 ihr Arm bei einem Zugriff der Polizei auf einen Bus, in dem sie sich befand.

Der Briefabend ist keine geschlossene Amnesty-Veranstaltung, sondern steht allen offen; bringt Freunde, Verwandte und Bekannte mit, sodass wir möglichst viele sind.

Vielleicht noch kurz etwas zum Briefabend im Allgemeinen: Die Gründungsidee von Amnesty war, dort Aufmerksamkeit zu schaffen, wo keine besteht. Regierungen sollte klar gemacht werden, dass politische Gefangene nicht einfach vergessen werden, sondern dass eine Öffentlichkeit besteht, die um sie weiß und das Handeln der Regierungen nicht gutheißt.

Der individuelle und physische Brief hat dabei als Medium zwei elementare Vorteile: Er kann nicht auf den ersten Blick als Einsatz für einen bestimmten Einzelfall erkannt werden, was bei standardisierten Briefen sehr schnell möglich ist, und er kann nicht herausgefiltert oder weggeklickt werden, wie es bei elektronischen Nachrichten der Fall ist.

Auch wenn es befremdlich wirken mag, still in einem Raum zu sitzen und mit anderen Briefe zu schreiben – man macht es und unterlässt es nicht. Das ist vielleicht schon der Kern der Tätigkeit des Briefeschreibens: Es macht keinen Spaß und ist im Grunde müßig. Und es nicht so, dass es zusammen mehr Spaß macht: nein. Menschenrechtsarbeit muss keinen Spaß machen; ja, vielleicht darf sie es sogar nicht.

Zu Beginn wird für fünfzehn Minuten der Einzelfall des Abends vorgestellt, sodass jede_r über die Hintergründe und aktuelle Situation informiert ist. Dann werden wir fünfzig Minuten Briefe an verschiedene zuständige Stellen, wie die Regierung und die Botschaft, aber auch Solidaritätsbekundungen an Angehörige, schreiben. Die Arbeit ist ca. um 18:00 Uhr die Arbeit abgeschlossen.

Danach besteht noch die Möglichkeit zum geselligen Beisammensein – sofern man möchte – oder man kann sich über andere Amnesty Aktivitäten austauschen oder auch wieder gehen.